„Die Braut des Paten“ aus dem Buch „Vergebene Liebesmüh“ von Denis Feuerstein

Nachtigall und Rose

Nachtigall und Rose

Das zu Grunde liegende Thema war  der Anthologie war die Liebe … oder eher die Romanze. Allerdings wie bereits in der letzten Veröffentlichung bezüglich meines Werkes geschrieben, war mir daran gelegen dieses Genre zu persiflieren – man findet wohl alles was ich hierzu zu sagen habe in der letzten Veröffentlichung.

Geschichte Nr 2 war nicht gerade die beste der Geschichten – aber wenn selbst die schlechteste Geschichte dazu hinreicht andere zu erfreuen, dann können auch die anderen nicht allzu schlecht sein.

Die Braut des Paten

Oh mattes Bitten! War ein Wunsch je blasser?

Du flehst um etwas Mondschein im Wasser?

(Liebes Leid und Lust, Fünfter Akt)

Michael war weiß Gott kein mutiger Mann, doch einmal in seinem Leben wollte er für das einstehen woran er glaubte.

Er saß in der letzten Reihe der Kirche und sah zu wie Beatrice im Begriff war einen anderen zu heirateten. Dieser andere war ausgerechnet der Mann, der praktisch ganz Rom in der Tasche hatte.

Dieser Contrabbandiere war so mächtig und einflussreich, dass er über sich selbst sagte: „Nach mir kommt nur der Papst.“

Michael kannte Beatrice bereits seit dem Kindergarten und konnte sie immer nur aus der Ferne bewundern. Und dann als es für ihn so aussah, als ob er ihr endlich nahe sein konnte, kam ihm ein anderer dazwischen. Nun saß er hier und konnte nichts anderes als zusehen, wie sie ihn für immer verlassen sollte.

Er konnte nichts tun, denn in einer Ecke wartete ein finsteres Paar Augen, welches ihn fixierte.

Diese Augen gehörten Don Paulo, dem Vater des Bräutigams. Er wusste über Michael Bescheid und hatte ihn vor der Hochzeit gewarnt, dass wenn er es wagen sollte die Hochzeit seines Sohnes zu stören, er höchst persönlich dafür sorge tragen würde, dass Michael noch heute Nacht bei den Fischen schlafen würde. So konnte Michael nur hilflos mitansehen, wie die Frau, welche er liebte, von ihm ging.

Da kam die Braut.

Michael haderte mit seinem Verstand. Sollte er ihr jetzt seine Liebe gestehen und dafür womöglich mit seinem Leben bezahlen oder sollte er feige kneifen, wie er dies bis jetzt immer gemacht hatte. Überhaupt bestand seine Arbeit und sein ganzes Leben aus Fluchtreflexen, denn als Chauffeur für die hohen Bosse, musste er beim ersten Anzeichen von Gefahr sofort aufs Gaspedal drücken – und das konnte er wirklich ausgezeichnet. Tatsächlich hatte er es in den Genen, stammte er doch aus einer Familie von Feiglingen und Angsthasen, welche ihre lange traditionsreiche Zunft schon seit den Zeiten der Medici und Borgia ausübten. Diese Blutsbande waren allerdings auch ein großes Hindernis. Für alle anderen war er und würde immer der kleine Bursche sein, auf den man treten, stampfen und spucken konnte ohne irgendwelche Gegenwehr erwarten zu müssen. Er war nur ein kleines Nichts. Wie konnte er es da wagen auch nur daran zu denken?

Jetzt kam der Priester zu der obligatorischen Stelle mit dem: „… Wer einen Einwand hat, soll jetzt sprechen oder für immer schweigen.“

Wenn er jetzt nicht zu seinen Gefühlen stehen würde, wann dann?

Michael stand auf und fand einmal in seinen Leben den Mut, dass für ihn richtige zu tun. Zu diesem Zeitpunkt war es aber genau das Falsche.

Nein, nicht! … Ich liebe sie!“

Alle waren schockiert und der zu vermählende Bräutigam schwoll rot an, während Beatrice sich vor Scham hinter ihrem Blumenstrauß verbarg. Michael selbst konnte nicht glauben, was er gerade getan hatte.

So versagte das erste Mal in seinem Leben, sein sonst so sicherer Überlebensinstinkt.

Die Worte, die er gesprochen hatte, hallten noch immer in der Kirche. Sonst war nicht ein Ton von den Gästen zu hören – nur der Priester grinste sardonisch.

Verdammt!“, stöhnte Michael.

Es kam wie es kommen musste: Noch während der Zeremonie wurde Michael gepackt und schreiend aus der Kirche getragen. Bereits eine halbe Stunde später war der Zement um seine Füße trocken und er wurde laut schreiend zum Tiber getragen.

Nein, nicht.“, schrie Michael.

Stimmt einen irgendwie nachdenklich.“, meinte der linke Träger.

Der bullige rechte Träger fragte: „Wie?“

Ich sagte, die Sache stimmt einen irgendwie nachdenklich.“

Bitte nicht.“, brüllte Michael verzweifelt, während er zappelnd über die Brücke geschleift wurde und der Zement am Brückenboden schabte.

Ich versteh kein Ton.“, meinte der bullige rechte Träger. „Der brüllt so laut. Warte mal.“

Der bullige Träger zog seinen Schuh aus und schlug ihn Michael um die Ohren.

Aua!“

Und noch einmal!“, rief er, bevor er ein zweites Mal ausholte und Michael am Hinterkopf traf.

Michael sackte bewusstlos in seinen Armen zusammen.

Jetzt kannst du reden.“

Also,“ begann der linke Träger, „findest du es nicht ein wenig ungerecht, dass wir ihn umbringen nur weil er zu seinen Gefühlen stand?“

Er hat beinahe die Hochzeit ruiniert. Stell dir vor was passiert wäre, wenn sie nicht doch noch ‚Ja‘ gesagt hätte. Das hätte dann womöglich uns den Kopf gekostet.“

Das ist doch furchtbar.“, meinte der linkte Träger. „Ich meine, du kanntest ihn ja auch. Er hatte nicht viel und brauchte auch nichts. Er widersprach nie und war immer zuverlässig. Nun hatte er aber nur einen Wunsch und warum sollte ihm der nicht erfüllt werden?“

Der bullige Träger lachte: „Weil es um die Frau vom Boss geht! Deswegen! Werde erwachsen. Glaubst du wirklich das Beatrice Michael den Vorzug gegeben hätte? Er war schließlich nur ein kleiner Chauffeur. Aber schieben wir den ganzen Aschenputtel-Scheiß mal beiseite. Du hast selbst gesehen, wie sie reagiert hat. Anstatt dass sie sich für ihn eingesetzt hat, hat sie den anderen geheiratet. Und sie weiß genau was mit ihm passiert – es ist ihr vollkommen egal. Ha, das muss der schlimmste Tag seines Lebens gewesen sein: Zuerst muss er mit ansehen wie die Frau seines Herzens einen anderen heiratet und dann wird er ertränkt. Für ihn hätte es wohl kaum schlimmer kommen können! Sei’s drum und ab.“

Mit einem kräftigen Zug hob der bullige Träger Michael über das Geländer und warf ihn in den Tiber. Schnell sank der schwere Betonklotz in die Tiefe und zog Michael mit sich hinunter.

Als eine Art Epitaph fragte der linke Träger abschließend: „Wo ist denn nur die Romantik hin?“

Von Denis Feuerstein

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